Kondolenzschreiben
Prof. Dr. Klaus Sagaster (1933–2025)
Mit tiefer Trauer erhielten wir die Nachricht vom Ableben von Prof. Dr. Klaus Sagaster, einem der renommiertesten Vertreter der Orientalistik und Mongolistik, Ehrenprofessor der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und ehemaligen Präsidenten des Internationalen Verbandes für Mongolistik (IAMS). Er verstarb am 11. November dieses Jahres.
Prof. Dr. Klaus Sagaster wurde 1933 in Nîmes, Nordböhmen, geboren und begegnete 1944 zum ersten Mal einem Mongolen. Von da an widmete er sich der Studie der mongolischen Geschichte, Sprache, Literatur und Kultur und erlangte internationale Anerkennung. K. Sagaster war der beste Schüler des weltberühmten Mongolsiten Prof.Dr. Walter Heissig, des Gründers des Fachseminars der Mongolistik als eigenständiges wissenschaftliches Forschungsgebiet in Deutschland. K.Sagaster studierte und arbeitete in seiner Zeit an renommierten deutschen Universitäten wie Leipzig, Göttingen und Bonn. 1982 übernahm er von seinem Lehrer W. Heissig die Leitung des Lehrstuhls für Zentralasiatische Sprachen und Kulturen an der Universität Bonn.
Er leitete und koordinierte über 40 Jahre lang die Forschung, Lehre und Ausbildung im Bereich der Mongolistik und hat Dutzende Wissenschaftler und Forscher für Mongolistik ausgebildet. Er hat sich eingehend mit den historischen Chroniken der mongolischen Schrift und alten Inschriften sowie dem religiösen, kulturellen und weltanschaulichen Erbe und den Traditionen der Mongolen befasst. Dazu gehörte auch die Restaurierung und Erforschung der ältesten mongolischen Schrift, der Birkenrindenhandschrift, die er 2012 der Mongolischen Akademie der Wissenschaften übergeben konnte.
K. Sagaster hat einen bedeutenden Beitrag zu den deutsch-mongolischen Beziehungen und der Zusammenarbeit geleistet, insbesondere zur Stärkung der Annäherung und der Freundschaft zwischen den Völkern beider Länder. Er gehörte 1973 zu den Gründern der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft e.V. (DeMoGe). Seine Wahl zum Präsidenten auf dem IX. und X. Kongress der IAMS bewies seine Verdienste um die Erforschung der mongolischen Geschichte, Sprache, Kultur und Gesellschaft. Er traf sich 2012 mit dem damaligen Präsidenten der Mongolei und rettete das kurz vor der Schließung stehende Seminar für Mongolische Studien an der Universität Bonn, welches bis heute noch seine wissenschaftliche Tätigkeit kontinuierlich fortsetzt. K. Sagasters Engagement und Verdienste wurden vom mongolischen Staat gewürdigt und er wurde mit dem höchsten Staatsorden „Polarstern“ ausgezeichnet. Auch die Ständige Versammlung der Internationalen Altai-Studien (PIAC) verlieh ihm ihre höchste Auszeichnung. 2022 wurde ihm der Ehrendoktortitel der Akademie der Wissenschaften der Mongolei verliehen.
Sein Fachwissen, seine wissenschaftlichen Lebenswerke und die menschlichen Qualitäten von Klaus Sagaster als renommierter Gelehrter und Wegweiser der Mongolistik werden wir in tiefer Erinnerung behalten.
Botschaft der Mongolei in der Bundesrepublik Deutschland
Berlin, 18. November 2025